Text und foto: Kurt Ivarsson Ubersetzung: Sigrid PerssonDas kleine zutrauliche runde Rebhuhn kann sich nicht nur damit brüsten der Gemeindevogel von Kävlinge zu sein. Als die Könige noch über Volk und Vieh herrschten - so wie zu Gustav Vasa´s Zeiten war das Rebhuhn königliches Eigentum und Jagdbeute.
In Schonen nennt man das Rebhuhn auch Ackerhuhn und wurde darum von Schonens Ornitologischer Vereinigung zum Gemeindevogel in Kävlinge erkoren. Die offene Kulturlandschaft ist der Lebensraum des kleinen Ackerhuhns - im Guten wie im Bösen.
Der schwedische Name "rapphöna" leitet sich von dem deutschen Leihwort -raphuon- ab, so wurde es im Mittelalter genannt. Damals wurde es auch als begehrliche Jagdbeute in Schonen eingeführt. In der Silbe "rap" versteckt sich ein viele tausend Jahre alter indoeuropäischer Ursprung, verwandt mit "rav"- gesprenkelt, bunt.
Bevor das Rebhuhn zum Ackerhuhn wurde und ehe die Landwirtschaft Lebensraum möglich machte in Europa, lebte es auf den Steppen im Südosten. Die ältesten Funde in Schweden stammen von den Inseln Öland und Gotland, wo die Bauern der Eisenzeit den Vogel schon 400 Jahre vor Christus auf dem Speisezettel hatten. Vögel die mit aller Sicherheit durch die Menschen dort hinkamen.
Die ältesten Funde von Rebhühnern in Schonen datieren sich aus dem 12. Jahrhundert. Haben sich die Vögel wagemutig über das gefährliche Wasser des Öresund gewagt und sind auf der Insel Ven zwischengelandet, oder sind sie gar über`s Eis gegangen? Hier schwebt die Wissenschaft im Ungewissen. Bekannt ist jedoch, dass Gustav Vasa´s Sohn, Johan III, in einem Brief an den Vogt von Kalmar, welcher den Jachtpark auf Öland überwachte, von den aus Deutschland eingeführten Rebhühnern berichtete. Und warum sollten die dänischen Könige in Schonen weniger unternehmend gewesen sein?
Bedrohter Lebensraum Der Acker ist ein bedrohter Lebensraum. Wenn Roggenacker und Kleefeld dicht stehen, die Sonne vom klarblauen Himmel strahlt, wenn es zwischen Feldmohn, Kornblumen und Küchenschelle von Insekten wimmelt - dann ist das Leben ein Spiel für die Rebhühner. Wenn aber der Pflug dominiert, die Feldraine und Hecken kahl sind und der gespritzte Herbstraps das einzige Winterfutter ist, ist das Leben hart für die Rebhühner.
Der Schnee kann segensreich sein. Die Hühner rücken dicht zusammen und bilden in einer Kuhle ein Wärmekollektiv. Ist die Schneedecke jedoch zu tief, der Schnee hart zusammengepackt durch vom Wind verwehte Erdpartikel oder es liegt eine Eiskruste, dann wird es tragisch für die Hühner. So geschehen während der kalten Winter in den 40-ziger Jahren.
Aber auch während der Glanszeit der Rebhühner konnten die Winter aus der Art schlagen. "Ihr erinnert Euch wohl an die Heimsuchung von 1814-15! Da starben die Rebhühner in so wohl Schonen als auch in Westergöthland und anderen Landprovinsen aus" schrieb der Zoologe Sven Nilsson aus Lund in seiner Skandinawischen Fauna, zu lesen in der dritten Auflage die 1858 gedruckt wurde.
Sven Nilsson sah auch in der laufenden Landwirtschaftsreform mit der Zerschlagung der Dörfer und der daraus folgenden Aussiedelung der Höfe eine ernste Gefahr da diese zur Folge hatte, "dass die Höfe, die früher dicht beieinander lagen, jetzt über die Felder verteilt sind... überall wird angebaut und ständig befinden sich Arbeiter und Hirten dort, dadurch werden die Vögel gestört und viele Junge sowie Eier vernichtet".
Ungewisse Zukunft Die Zukunft ist ungewiss für den kleinen Schützling von Kävlinge. Fuchsräude und Brachacker haben eine gewisse Frist eingeräumt. Aber mehr menschliche Umsicht in Form von schützenden Abgrenzungen und gesünderer, ökologischer Landwirtschaft wird von Nöten sein, wenn auch kommende Kävlingegenerationen noch das derbe "perdix" der behaglichen Ackerhühner hören sollen.